Bau der Schule

Am 5. März 1881 stellt die Großherzogliche Schulkommission Alzey (Hackenheim gehört nun zum Distrikt Alzey) in einem Schreiben an den Gemeinderat fest, dass das Schulzimmer der Gemeindeschule "in keiner Hinsicht den gesetzlichen Anforderungen entspricht", da dasselbe für je Kind nur 0,4 m² Bodenfläche hat. Die Gemeinde wurde angehalten, binnen einer Woche "sich berichtlich darüber zu äußern, in welcher Weise den vorhandenen Übelständen am besten abgeholfen werden könnte".

Aus dem Schreiben der Kreisschulkommission geht also hervor, dass es sich um eine einklassige Schule handelt. Es hat den Anschein, als wäre der Schulvicar nicht ein zweiter Lehrer, sondern ein Hospitant gewesen. Jedoch geht dies nicht klar hervor.

Klassenbild von 1918In seinem Schreiben vom 24. März 1881 berichtet der Bürgermeister Kaiser dem Kreisamt über das diesbezügliche Anliegen. Darin stellt der Bürgermeister fest, dass die Gemeinde die Übelstände bereits früher selbst erkannt hätte und um Abhilfe zu schaffen, im Mai 1877 bereits Schritte unternommen habe. Damals habe sie "das den Erben des in Frei-Laubersheim im Jahre 1876 verstorbenen kath. Pfarrers Kamp gehörige Haus in der Mitte des Dorfes gekaufth". Dieses Haus sollte zu einem Schulhause mit entsprechendem "Lehrerzimmer hergerichtet" werden.

Es wird in dem Bericht weiter festgestellt, dass die Kaufsumme innerhalb von 4 Jahren entrichtet war, der Umbau aber und die Herrichtung der "Lehrsäle" finanziell nicht bewältigt werden konnte.

"... so beantragt der – gesamte Ortsvorstand – in Hinsicht der jetzigen so geldarmen Zeit, wo mehrere Jahre hintereinander wegen der Beschädigung der Weinberge durch Frost der Wein gänzlich missrathen und dadurch die Hauptnahrungsquelle der hiesigen Gemeinde versiegt ist, dass der in Rede stehende Bau erst im Jahre 1883 in Angriff genommen werde".
(Anmerkung: Bei dem "Kamp'schen Haus" handelt es sich um das Gebäude der Lehrerdienstwohnungen 1959, dem heutigen Gemeindehaus.)

Klassenbild von 1926In einem Schreiben der Schulkommission Alzey vom 4. Juni 1881 wird die Gemeinde erneut auf die Übelstände im alten Schulhaus aufmerksam gemacht und um "Abülfe" ersucht, da bereits ein Baukapital von 1200 Mark gesammelt sei. Eine Verzögerung des Baues sei nicht mehr gerechtfertigt.
(Anmerkung: Das Kapital wurde durch die Gemeinde angesammelt durch "Vermietung des Wohnhauses und des dazugehörigen Ökonomiegebäudes. Eine der beiden Wohnungen hatte der damalige Lehrer Metzler, der aus Planig stammte, inne. Der besagte Lehrer Metzler war der Vater des Lehrers Johann Metzler, der Jahrzehnte hier in der Schule, in der Kirchengemeinde als Organist und als Bürgermeister segensreich gewirkt hat.)

Aus einem Protokoll des Gemeinderates vom 17. Juni 1881 geht hervor, dass man sich endgültig entschlossen hat, das Kamp'sche Haus so umzubauen, dass der "angewachsenen Schülerzahl entsprechend" 2 Lehrsäle und eine Lehrerwohnung erstellt werden sollen. Man erwartet allerdings aus dem Schulbaufonds des Kreises einen "ansehnlichen Zuschuss".

Klassenbild von 1930Unter dem Datum des 16. Novembers 1881 schreibt das Gr. Kreisamt Alzey an die Bürgermeisterei Hackenheim: "Unter Rückschluss der Anlagen Ihres Berichtes vom 13ten dieses Monats genehmigen wir nunmehr nach eingeholten Gutachten des Großherzoglichen Kreisbauamtes Bingen die Verwendung der von der Gemeinde erkauften Kamp'schen Hofraithe zu einem Schulhaus unter der Bedingung, dass 2 Lehrsäle neu erbaut und das Wohnhaus demnächst in einem vollkommen genügenden baulichen Instand gebracht und zu 2 Lehrerwohnungen hergerichtet wird."
(Anmerkung: Aus den Jahren der Tätigkeit des Lehrers Johann Metzler d.Ä. ist in den Akten der Volksschule eine Schülerliste vorhanden. Die Gesamtschülerzahl betrug damals 119. Im Jahre 1876 betrug sie noch 55.)

Die Lehrerwohnungen betreffend erging am 9. Dezember 1881 folgender Bericht an die Gr.-Hess. Kreis-Schulkommission Alzey:
"Wir empfehlen nicht, verehrliche Kreisschulcommission, auf die obige Verfügung gehorsamst zu berichten, dass zwar in der hiesigen Gemeinde eine Lehrerwohnung vorhanden – welche jedoch von dem Lehrer Metzler dahier vermiethet ist, weil dieselbe in seiner eigenen hier angeschaffeten und gut eingerichteten Privatwohnung, schon längere Jahre wohnt, welche auch für die von Lehrer Metzler betriebenen Landwirtschaft und Winzerei – auf meist eigenthümlichen Grundstücken besser eingerichtet und zweckentsprechender ist."

Klassenbild von 1948Da jedoch in der nächsten Zeit das von der Gemeinde im Jahre 1877 angesteigerte "Pfarrer-Kamp'sche-Haus" zu Lehrerwohnungen und Schulsälen hergestellt werden soll, so wird dabei auch Bedacht genommen werden, dass die Lehrerwohnung den gesetzlichen Bestimmungen vollkommen entspricht.

Trotz eines immer wieder einsetzenden Drucks von oben (Kreisamt Alzey) und des guten Willens der Gemeinde kann man sich 1881 noch nicht zum Neubau (Anbau) des Schulhauses (Kamp'sches Haus) entschließen. Die Gemeindeväter sehen sich erneut veranlasst, infolge der "ungünstigen Zeitverhältnisse" den Beginn des Baues bis zum Jahr 1883 hinauszuschieben.

Im Frühjahr 1882 jedoch scheint man an den Neubau herangehen zu wollen.

Unter dem Datum des 5. Mais 1882 erwartet das Kreisamt Alzey einen Bericht über "den Stand der Sache".

Der Bürgermeister Kaiser berichtet am 17. Mai 1882 folgendes: "Auf die verehrliche Verfügung berichten wir gehorsamst, dass ... bis jetzt noch keine Arbeiten resp. Einführung von Baumaterial, insbesondere das Brechen und Beifahren von Mauersteinen vergeben worden sind und zwar aus dem Grunde, weil im Sommer die aller ungeeignetste Zeit dazu ist, indem die Maurer, welche größtenteils im Herbst und Winter Steine brechen, im Sommer an Neubauten beschäftigt sind und deswegen in der guten Jahreszeit das Brechen von Mauersteinen bedeutend höher im Preise steht. Es ist daher beabsichtigt, die fraglichen Arbeiten und Einlieferungen nächsten Herbst und Winter bewerkstelligen zu lassen, und demgemäß im Monat Oktober d. J. zu vergeben, so dass die Steine den Herbst und Winter über gebrochen und auf die Baustelle angefahren werden sollen, damit der Bau im Frühjahr 1883 bei Beginn der guten Jahreszeit beginnen kann."

Nach vorläufiger Berechnung des Gemeindebaumeisters Weis, Wöllstein, belaufen sich die Kosten auf etwa 23.000 bis 24.000 Mark.

Da die Gemeinde "außer dem Ertrag der Feldjagd sonst keine weiteren Einnahmen hat und daher mit Communalsteuern stark belastet ist", ersucht sie das Kreisamt Alzey um einen "beträchtlichen Zuschuss".

Zur Begründung wird noch folgendes angeführt:
"Auch glauben wir, dass die Gemeinde Hackenheim vor vielen anderen Gemeinden berücksichtigt zu werden verdient, weil durch den starken Zufluss von Arbeitern und deren Niederlassung dahier, in Folge des Freizügigkeitsgesetzes, die Zahl der Einwohner – wie oben erwähnt – sich ungewöhnlich vermehrt – von 523 Seelen bei der Zählung von 1875 auf 638 Seelen bei der Zählung von 1880 und die Zahl der Schulkinder von 55 / 1876 auf 119 bei Beginn des Schuljahres 1882 – laut der anliegenden Bescheinigung des hiesigen Gemeinde-Lehrers Metzler. Da die Schülerzahl voraussichtlich von Jahr zu Jahr steigen wird, so wird die kleine Gemeinde dadurch in eine ganz besondere berücksichtigungswerthe Stellung gebracht."

Über die Durchführung des Baues sind keine Unterlagen vorhanden. Er scheint im Jahr 1883 vollendet worden zu sein. Dabei handelt es sich am Ostende des alten Baues um angebauten Räume, die beide unterkellert sind.

Anmerkung des Chronisten:
Der z. Z. (1959) älteste Bürger der Gemeinde, Johann Merz, weiß zu berichten, dass das Haus zwar umgebaut und renoviert, die Schule aber nicht in eine 2klassige umgewandelt wurde. Die Erweiterung fand erst 1885 statt, nachdem man das neue Schulhaus errichtet hatte.

Während seither stets die Rede vom Umbau des Kamp'schen Hauses war, handelt es sich bei den Kostenvoranschlägen von 23.000 Mark bereits um Pläne über ein neues Schulhaus. Ein Protokoll über die Gemeindesitzung, in der man sich zum ersten Male mit dem Neubau befasste, ist nicht vorhanden.