Das neue Schulhaus

Schon in den Jahren, in denen man sich mit der Erweiterung des Kamp'schen Hauses befasste, plante man bereits angesichts der stetig wachsenden Schülerzahl den Bau eines neuen Schulhauses. Unterlagen sind zwar keine vorhanden, jedoch geht dies aus einem Schreiben des kath. Pfarrers von Planig als Dekan des kath. Dekanates Bingen an das Kreisamt Alzey vom 8. September 1992 deutlich hervor.

Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
„Bei der von Jahr zu Jahr stets zunehmenden Bevölkerung in Hackenheim, welche die Errichtung einer zweiten Schule notwenig macht, war zu gleicher Zeit das Augenmerk der kirchlichen Behörde auf die Trennung der Gemeinde Hackenheim von der Mutterkirche zu Frei-Laubersheim und Erhebung zu einer selbstständigen Pfarrei gerichtet. Obgleich unserer kirchlichen Verhältnisse wegen gegenwärtig dieser Gedanke nicht durchführbar ist, so dürfen wir ihn dieserhalb nichts desto weniger nicht aus dem Auge lassen, und dieses vorangesetzt, müssen wir Bedacht nehmen auf einen Bauplatz für das Pfarrhaus und was dazu gehört. Ein besser geeigneter dafür aber, als den für das Schulhaus vorgesehene, ist im Orte nicht mehr aufzufinden, während für das Schulhaus noch andere, und zwar gesündere vorhanden sind. Wir finden uns deshalb nicht in der Lage, den Wünschen des Gemeinderathes und des Schulvorstandes zu entsprechen.“

Daraus geht hervor, dass die Gemeinde ihr Augenmerk auf ein Grundstück richtete, das oberhalb der Kirche lag und als Acker an die beiden Bauern Lau und Kuhn verpachtet war. Die Gemeinde sah sich zum Ankauf eines Grundstückes gezwungen, weil die Räume im Kamp'schen Hause zu klein waren.

Bei einer Besichtigung durch Vertreter des Kreisamtes wurde erkannt, dass die fragliche Hofraithe in mehrfacher Hinsicht nicht passend und zweckentsprechend sei „weil der Bochen zuviel Nässe habe, ein Kanal mitten durch dieselbe gehe und beständig Pfuhl abfließe und überdies eine Schmiedewerkstätte in der Nähe sei, welche störend auf den Unterricht einwirke.“

Aus diesen Erwägungen heraus hat sich die Gemeinde zum Ankauf eines neuen Baugrundstückes entschlossen.

Das auf dem Pfarrgrundstück geplante neue Schulhaus soll „möglichst einfach und kostensparend ausgeführt und eine Unterkellerung des Hauptgebäudes vermieden werden“. Das Schreiben des Dekans war die Antwort auf den Plan der Gemeinde.

Nun, die Gemeindeväter von anno dazumal schießen zurück. Unter dem Datum des 23. September 1982 geht folgendes Schreiben an das Kreisamt Alzey:
„Die unterzeichneten Gemeinderäthe erklären hiermit einstimmig, dass sie nicht mit den Ausführungen des kath. Dekanates Bingen einverstanden sind. Namentlich sind sie nicht gewillt, auf lange Zeit hinaus, in hiesiger Gemeinde eine selbstständige kath. Pfarrei zu gründen, vielmehr vorziehen, mit der hiesigen kath. Gemeinde von jetzt 564 Seelen für lange Zeit noch bei der Mutterkirche zu Frei-Laubersheim zu verbleiben. Ferner erklären obengenannte Vorstände ebenfalls einstimmig, dass, wenn je in späterer Zeit beabsichtigt werden sollte, hier eine eigene kath. Pfarrei zu errichten, in dem Unterdorfe an der Staatstraße sich die schönsten und besten Bauplätze vorfinden und leicht zu erwerben wären, und dass dagegen außer dem neuerdings in Vorschlag gebrachten Bauplatz für das Schulhaus auf dem kath. Pfarracker an der Hauptstrasse in der Mitte des Dorfes sich sonst kein geeigneter Bauplatz vorfände, da ja doch von einem Schulhaus an der Staatsstrasse im Unterdorfe wegen dem starken Verkehr abgesehen werden muss, was bei einem etwaigen späteren Pfarrhaus nicht nur der Fall wäre, sondern vielmehr eine Zierde für das hiesige Dorf sei.“

Der Dekan gibt noch nicht nach und schlägt als neues Baugelände für ein Schulhaus einen Acker „hinter der Hecken“ neben Balth. Enders III vor (Anmerkung des Chronisten: Der Pfarracker, auf dem das Schulhaus erstellt werden sollte, ist das Gelände der heutigen Metzgerei Schleider, damals Metzgerei Jak. Enders -1959-). Der Gemeinderat jedoch beharrt auf seinem Plan, und so kommt eine Einigung zustande. Das Gelände (1.213 m²) wird für 1.000 Mark erworben. Anfangs ist das Kreisamt gegen einen Bau auf diesem Platz, da er zu wasserreich sei und das Haus nicht unterkellert werden könne.

Der Gemeinderat räumt in einem langen Schreiben vom 14. März 1883 diese Bedenken aus dem Weg und beantragt, dass die Vorarbeiten in dem Maße beschleunigt werden, dass die 2 Lehrsäle, welche getrennt von den später zu bauenden Lehrerwohnungen ausgeführt werden sollen, nebst den notwendigen Ökonomiegeländen noch im Jahre 1883 vollständig ausgebaut werden. Der Bau der Lehrerwohnungen soll zurückgestellt werden.

Nachdem die Kreisschulkommission Alzey den unmöglichen Zustand des Schulsaales im Kamp'schen Hause konstatiert hat, genehmigt das Kreisamt Alzey am 10. Juli 1883 „den Neubau auf dem Platze des umzulegenden alten Schulhauses unter der Bedingung, dass die Weerde zugeworfen und hierdurch Raum für einen genügenden Turn- und Spielplatz gewonnen, die Baulinie in gerader Linie auf die Kirche gezogen und Vorkehrungen getroffen werden, die Säle vor aufsteigender Feuchtigkeit zu schützen. Jeder Saal muss für 80 Kinder den erforderlichen Raum haben und es ist für Aborte und einen Kohlenraum zu sorgen.“

Am 16. Juli 1883 beschloss der Gemeinderat einstimmig, „1. dass in dem neuen Schulhaus ein Beratungszimmer für den Gemeinderath, in welchem der Standesbeamte auch seine Amtshandlungen vornehmen kann und wo möglich unter diesem Zimmer im 1. Stock (Paterre) nach der nach dem Oberdorf gelegenen Seite ein Spritzenlocal anzubringen. 2. die vom Kreisbauamt Bingen genehmigte Baulinie beizubehalten, ein ca. ½ m hohes Mäuerchen mit Eisengitter, ähnlich wie die übrigen Einfriedungen, daselbst aufzuführen, das Schulgebäude jedoch wie im Situationsplan vorgesehen zurückzustellen, damit durch den Neubau nicht wie beim alten Schulhaus die Ansicht der Kirche verdeckt wird und die Lehrsäle nicht unmittelbar an die Hauptverkehrsstrasse des Ortes kommen, damit der Unterricht von den außer der Landwirtschaft dienenden Fahrwerken, auch noch von den vielen Sand-, Kies- und Steinfuhren von Auswärtigen benutzt wird, unter Umständen empfindlich gestört wird“.

Bevor man zum Neubau schritt, musste das alte Schulhaus abgerissen werden. Eine Schwierigkeit bestand darin, dass das Haus von 2 Familien bewohnt war, die nicht gewillt waren, es freiwillig zu räumen. Wie die heikle Frage gelöst wurde, ist aus den Akten nicht ersichtlich.

Wie die gesamten Baukosten beschafft wurden, ist ebenfalls nicht ersichtlich. Bei der Sparkasse Bingen wurden 15.000 Mark zu 5 % Zinsen und 6 % Tilgung aufgenommen. Vom Staat erhielt die Gemeinde kleinere Zuschüsse.

Über die endgültigen Kosten des Schulhauses berichtet der Kreistechniker Weis, Wöllstein, der den Bau plante: „Die Kosten des Schulhauses stellen sich mit den Ökonomiegebäuden, Pflasterarbeiten, etc. inklusive Bauausführungskosten auf 19.496 Mark. Hinzu kommen noch die Kosten für Vorarbeiten der projektiert gewesenen Lehrsäle im Kamp'schen Hause mit 211 Mark. Summa 19.680 Mark!“. (Anmerkung: Aus diesem Bericht geht hervor, dass die Schulsäle im Kam'schen Hause also nicht fertig gestellt wurden. Man sah vernünftigerweise ein, dass diese Lösung nur eine Zwischenlösung sein konnte).

Das neue Schulhaus wurde 1884 seiner Bestimmung übergeben.

Mit der Fertigstellung des Schulhauses wurde auch der Bau der 2 Lehrwohnungen im Kamp'schen Hause in Angriff genommen und 1903 vollendet, nachdem 1902 die 2. Lehrstelle definitiv besetzt wurde.

Das alte Schulhaus um 1915Das neue Schulhaus enthielt auf der Ostseite (Richtung Kirche) im Erd- und Obergeschoss je einen Schulsaal, auf der Westseite (im Vordergrund des Bildes) im Erdgeschoss das Spritzenhaus und im Obergeschoss die Bürgermeisterei.

In den beiden Schulsälen wurden im Jahre 1920 90 bzw. 85 Kinder unterrichtet. Da für solche Schülerzahlen die Räume viel zu klein, die Klassen ohnehin zu stark waren, entschloss man sich im Jahre 1930 zur Erweiterung des Schulhauses. Die zu den Lehrerwohnungen gehörige Scheune wurde in ein Spritzenhaus umgewandelt.

Das alte Spritzenhaus im Schulhaus wurde umgebaut und die Bürgermeisterei nach unten verlegt. Die Räume der Bürgermeisterei wurden in den 3. Schulsaal umgewandelt.

1948 wurde in das Schulhaus eine Dampfheizung eingebaut. Mit der Herabsetzung der Klassenstärke und in Anbetracht der stetig anwachsenden Schülerzahl wurde die 3klassige Volksschule zu Ostern 1950 in eine 4klassige umgewandelt. Der notwendige Umbau des Schulhauses wurde im Jahre 1956 vorgenommen. Die Bürgermeisterei wurde in eine der beiden Lehrerwohnungen verlegt. Aus der Erdgeschosswohnung wurde zu diesem Zweck ein Zimmer abgetrennt.

An die Südseite des Schulhauses wurde ein neues Treppenhaus angebaut, das im Obergeschoss ein kleines Lehrmittelzimmer enthielt. Durch die Herausnahme des Treppenhauses konnten die beiden Räume auf der Westseite des Hauses zu 2 brauchbaren Sälen umgebaut werden.

Durch die Erweiterung des Schulhauses wurde der ohnehin viel zu kleine Schulhof noch mehr eingegrenzt. Die Gemeinde wird nicht umhin kommen, in absehbarer Zeit die Frage der Schulhoferweiterung und die damit verbundene Modernisierung der Toilettenanlagen zu lösen.

Im Rahmen der Flur- und Ortsbereinigung, die in den Jahren 1958 – 1961 durchgeführt wurde, konnte auch die Frage der Schulhoferweiterung gelöst werden. Die anstoßenden Gärten von Frank und Fluhr wurden der Gemeinde zur Erweiterung des Schulhofes übereignet. Zwangsläufig mussten jetzt die alten Toilettenanlagen abgerissen werden. Infolgedessen war man gezwungen, neue Anlagen zu erstellen. Zu den Sommerferien 1961 wurde mit dem Bau begonnen. Sie sind an das Schulgebäude angegliedert und werden auch von dort beheizt. Eine überdachte Pausenhalle und ein Werkraum wurden in den Bau einbezogen. Im Jahre 1965 wurde ein zweiter Umbau nötig. Der Dampfheizungskessel war geplatzt und musste ausgebaut werden. Dabei wurde auch die Heizung in den Sälen erneuert, die Böden aufgerissen und ebenfalls erneuert. Kleinere Arbeiten, die aus dem Erweiterungsbau übrig blieben, wurden jetzt fertig gestellt.

1968:
Der Vorplatz vor der Toilettenanlage wird mit Platten belegt.

1972:
Nach den Weihnachtsferien fällt die Heizung aus. Sie muss vollkommen neu installiert werden. Es ist nicht möglich, in den Klassenräumen zu unterrichten. Die Klassen werden ausgelagert. Das 1. Schuljahr wird im Sportheim (unter der Turnhalle) unterrichtet.
Das 2., 3. und 4. Schuljahr wird von zwei Lehrern im Pfarrheim (unter der Kirche) betreut.
Nach 14 Tagen kann der Unterricht in den Klassenräumen wieder aufgenommen werden.

1974:
Im Frühjahr wird der Vorplatz der Toilettenanlage überdacht. Damit ist eine Unterstellmöglichkeit bei Regen geschaffen worden. Auf Anregung des Gemeinderates wurden im Schulhof drei Ahornbäume gepflanzt. Sie sollen den Kindern im Hochsommer Schatten spenden. Im Sommer wird das Dach des Schulhauses vollkommen erneuert, was längst überfällig war. Trotz Holzwurmbefall konnte das Wahrzeichen unserer Schule, das Türmchen mit der Schulglocke, erhalten werden.

1982:
In allen Räumen werden Isolierglasfenster eingesetzt und in den Klassenräumen Kunststoff-Rolladen angebracht.

1983:
Alle Räume erhalten einen neuen Farbanstrich.

Die Schule im Jubiläumsjahr 19841984:
Gestaltung der Grünanlagen vor dem Schulgebäude.

(Chronist ist Josef Diehl, Schulleiter von 1945 bis 1959)
Textzusammenfassung: Manfred Bormann, Schulleiter ab 1979